Kartusche V B Abmessung1 1
2026 09 09 Kartusche 25mm
Kartusche V A 1 Abmessung2 1

Kartusche wechseln: Anleitung für Einhebelmischer

Wenn der Hebel schwergängig wird oder es aus dem Auslauf tropft, obwohl die Armatur zu ist, müssen Sie meist die Kartusche wechseln – und nicht die ganze Armatur. Das Bauteil kostet je nach Hersteller zwischen zehn und fünfzig Euro, der Wechsel dauert eine knappe halbe Stunde und braucht kein Spezialwerkzeug.

Dieser Artikel zeigt, woran Sie den Defekt sicher erkennen, wie Sie die passende Ersatzkartusche finden, welche Schritte in welcher Reihenfolge nötig sind – und an welcher Stelle Sie besser aufhören und den Fachbetrieb rufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tropfen aus dem Auslauf und ein schwergängiger Hebel sind die beiden klassischen Anzeichen für eine verschlissene Kartusche.
  • Verbreitete Durchmesser sind 28, 35 und 40 Millimeter – der Durchmesser allein genügt aber nicht als Bestellangabe.
  • Sie brauchen nur Innensechskantschlüssel, Wasserpumpenzange und einen Schraubendreher.
  • Vor dem Öffnen unbedingt beide Eckventile schließen und die Armatur zur Druckentlastung kurz öffnen.
  • Lässt sich ein Eckventil nicht mehr schließen, wird aus dem kleinen Wechsel eine Sache für den Fachbetrieb.

Woran Sie eine defekte Kartusche erkennen

Nicht jedes Tropfen geht auf die Kartusche zurück. Die Stelle, an der Wasser austritt, verrät meist schon die Ursache.

Symptom Wahrscheinliche Ursache Kartusche schuld?
Tropft aus dem Auslauf bei geschlossenem Hebel Keramikscheiben verschlissen oder verschmutzt Ja
Hebel geht schwer oder ruckelt Schmierfett ausgewaschen, Kalk im Gehäuse Ja
Tropft am Auslauffuß beim Schwenken O-Ring am Auslauf Nein
Strahl schwach oder schief Strahlregler verkalkt Nein
Feuchte Stelle im Unterschrank Anschlussschlauch oder Eckventil Nein
Kein Warmwasser trotz Hebelstellung Kartusche oder Warmwasserzulauf Möglich

Der schnellste Test für den schiefen oder schwachen Strahl steht im Artikel Strahlregler reinigen und entkalken – Strahlregler abschrauben, Wasser laufen lassen. Kommt voller Druck, war es das Sieb und nicht die Kartusche.

Was in der Kartusche steckt

Im Inneren sitzen zwei plangeschliffene Keramikscheiben. Die untere ist fest eingebaut und hat drei Öffnungen: eine für den Warmwasserzulauf, eine für den Kaltwasserzulauf und eine für den Ablauf zur Armatur. Die obere Scheibe ist beweglich und trägt eine einzelne Vertiefung.

Wenn Sie den Hebel heben und schwenken, verschieben Sie diese obere Scheibe. Je nach Stellung liegt die Vertiefung über zwei oder über allen drei Öffnungen – so entstehen Durchflussmenge und Mischungsverhältnis in einer einzigen Bewegung. Abgedichtet wird ohne Gummi: Die beiden Keramikflächen sind so eben, dass sie unter leichtem Druck aufeinandergepresst dicht halten.

Warum die Kartusche irgendwann verschleißt

Sandkörner aus der Leitung – etwa nach Bauarbeiten im Haus – zerkratzen die Keramikflächen, und Kalk sowie hartes Wasser waschen das Schmierfett aus. Beides zusammen erklärt, warum eine Kartusche bei normaler Haushaltsnutzung acht bis fünfzehn Jahre hält, in einer Region mit sehr hartem Wasser aber deutlich früher aufgibt.

Die richtige Ersatzkartusche finden

Das ist der Schritt, an dem die meisten Wechsel scheitern. Verbreitet sind drei Durchmesser, aber der Durchmesser allein genügt nicht.

Durchmesser Wo er vorkommt
25 mm Kompakte Armaturen, Design-Armaturen
35 mm Der häufigste Fall bei Küchen- und Waschtischarmaturen
40 mm Größere Armaturen, oft bei Küchenmodellen mit hohem Bogen

Zusätzlich unterscheiden sich Bauhöhe, Anschlussbild am Boden und die Verdrehsicherung – kleine Nasen, Stifte oder Kerben, die festlegen, in welcher Lage die Kartusche sitzen muss. Deshalb passt nicht jede 35-mm-Kartusche in jede 35-mm-Armatur.

Zwei Wege führen sicher zum passenden Teil: Sie bestellen nach der Ersatzteilnummer des Herstellers, die im Datenblatt oder in der Montageanleitung steht. Oder Sie bauen die alte Kartusche aus und nehmen sie zum Vergleich mit in den Fachhandel. Welche Bauteile dabei sonst noch in der Armatur sitzen, erklärt der Artikel Was steckt in einer Armatur?.

Werkzeug und Vorbereitung

  • Innensechskantschlüssel, meist 2,5 Millimeter, für die Madenschraube im Hebel.
  • Wasserpumpenzange für die Überwurfmutter über der Kartusche – mit einem Tuch als Schutz für die Oberfläche.
  • Schlitzschraubendreher zum Aushebeln der Hebel.
  • Tuch und Schüssel für Restwasser aus der Armatur.
  • Zitronensäurelösung, falls das Gehäuse verkalkt ist – Hinweise dazu im Artikel Armatur entkalken.

Bevor Sie anfangen

Beide Eckventile unter der Spüle schließen und die Armatur danach kurz öffnen, damit der Restdruck entweicht. Legen Sie ein Tuch in den Abfluss – Madenschraube und Dichtringe sind klein und finden das Abflussrohr zuverlässig.

Kartusche wechseln: die Anleitung

  1. Wasser absperren. Beide Eckventile zudrehen, Armatur öffnen, Wasser ablaufen lassen, Armatur wieder schließen.
  2. Hebel abnehmen. Madenschraube mit dem Innensechskantschlüssel lösen – nicht ganz herausdrehen, sie geht sonst verloren. Hebel nach oben abziehen.
  3. Abdeckhülse abschrauben. Sie sitzt meist nur handfest. Darunter wird die Überwurfmutter sichtbar.
  4. Überwurfmutter lösen. Mit der Wasserpumpenzange gegen den Uhrzeigersinn, Tuch unterlegen. Die Mutter ist bei massiven Edelstahl-Armaturen aus Edelstahl. Bei anderen Armaturen ist diese  oft aus Kunststoff und verträgt keine grobe Gewalt.
  5. Alte Kartusche herausziehen. Gerade nach oben. Prüfen Sie dabei, ob Sand oder Kalk im Gehäuse liegt, und wischen Sie den Sitz sauber.
  6. Neue Kartusche einsetzen. Auf die Verdrehsicherung achten: Die Nasen am Boden müssen in ihre Aussparungen fallen. Die Kartusche muss ohne Kraft plan sitzen – wenn sie kippelt, liegt sie falsch herum.
  7. Zusammenbauen und prüfen. Überwurfmutter handfest plus eine Achtelumdrehung anziehen, Hülse und Hebel montieren, Eckventile langsam öffnen. Dann Hebel in allen Stellungen durchprobieren und auf Tropfen achten.

Wenn die Überwurfmutter festsitzt

Auch hier hilft Geduld mehr als Kraft. Legen Sie ein in Zitronensäure getränktes Tuch auf die Mutter und warten Sie eine Viertelstunde. Bleibt sie fest, setzen Sie die Zange möglichst breit an und ziehen gleichmäßig – Kunststoffmuttern brechen bei ruckartigen Bewegungen leicht ab. Eine abgebrochene Überwurfmutter bedeutet in der Regel eine neue Armatur.

Häufige Fehler beim Einbau

  • Kartusche verdreht eingesetzt. Dann sind Warm und Kalt vertauscht oder die Armatur bleibt undicht. Die Verdrehsicherung gibt nur eine richtige Lage vor.
  • Überwurfmutter zu fest angezogen. Der Druck auf die Keramikscheiben wird zu hoch, der Hebel geht schwer – genau das Symptom, das Sie beheben wollten.
  • Gehäusesitz nicht gereinigt. Sandkörner unter der neuen Kartusche zerkratzen sie beim ersten Betätigen.

Wann Sie besser den Fachbetrieb holen

  • Das Eckventil lässt sich nicht mehr schließen. Dann muss die Hauptleitung abgestellt werden – das ist keine Arbeit nebenbei.
  • Die Überwurfmutter ist abgebrochen oder das Gewinde beschädigt. Hier ist die Armatur meist am Ende.

Häufige Fragen

Wie oft muss man die Kartusche wechseln?

Bei normaler Haushaltsnutzung halten acht bis fünfzehn Jahre. Hartes Wasser, Sand in der Leitung nach Bauarbeiten und häufiges Umschalten verkürzen die Lebensdauer. Ein schwergängiger Hebel ist meist das erste Anzeichen, lange bevor die Armatur tropft.

Welche Kartuschengröße brauche ich?

Verbreitet sind 28, 35 und 40 Millimeter Durchmesser, wobei 35 Millimeter am häufigsten vorkommt. Der Durchmesser allein reicht aber nicht: Bauhöhe, Anschlussbild und Verdrehsicherung unterscheiden sich je nach Hersteller. Bestellen Sie nach Ersatzteilnummer oder nehmen Sie die alte Kartusche mit.

Kann ich die Kartusche selbst wechseln?

Ja, wenn die Eckventile funktionieren. Sie brauchen einen Innensechskantschlüssel, eine Wasserpumpenzange und einen Schraubendreher, und Sie sollten eine halbe Stunde einplanen. Lässt sich ein Eckventil nicht mehr schließen, ist das der Punkt, an dem ein Fachbetrieb übernehmen sollte.

Warum tropft die Armatur nach dem Wechsel immer noch?

Drei Ursachen sind üblich: Die Kartusche sitzt verdreht, die Überwurfmutter ist zu locker, oder das Tropfen kam nie von der Kartusche – etwa wenn es am Auslauffuß austritt. Prüfen Sie zuerst, ob die Verdrehsicherung eingerastet ist.

Lohnt sich der Wechsel überhaupt oder besser eine neue Armatur?

Bei einer Armatur aus massivem Edelstahl oder Messing lohnt sich der Wechsel fast immer: Das Gehäuse hält deutlich länger als das Verschleißteil. Bei sehr günstigen Armaturen aus beschichtetem Zinkdruckguss ist es oft schwierig, überhaupt eine passende Kartusche zu bekommen – dort entscheidet die Ersatzteilverfügbarkeit.

Quellen

Stand: September 2026 · Autor: Manfred Hardt, die-edelstahl-armatur.com