2026 07 30 Katusche
2026 09 19 Perlator Galeone R Ansicht 1
2026 06 26 Anschluss Schlauch e1790155443799

Was steckt in einer Armatur? Kartusche, Strahlregler, Schläuche

Die Bauteile einer Armatur sieht man ihr von außen nicht an – und genau das ist der Grund, warum zwei optisch identische Wasserhähne nach fünf Jahren völlig unterschiedlich dastehen können. Das Gehäuse ist nur die Hülle. Was tropft, klemmt, spritzt oder leise wird, entscheidet sich im Inneren.

Dieser Artikel nimmt eine Küchenarmatur auseinander: Kartusche, Strahlregler, Anschlussschläuche und die Kleinteile dazwischen. Sie erfahren, was jedes Bauteil tut, woran man Verschleiß erkennt und was sich austauschen lässt, statt die ganze Armatur zu ersetzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kartusche steuert Menge und Temperatur. Sie ist das am stärksten beanspruchte Bauteil und in guten Armaturen einzeln austauschbar.
  • Der Strahlregler formt den Strahl und begrenzt den Durchfluss. Übliche Gewinde sind M22 Innengewinde und M24 Außengewinde.
  • Anschlussschläuche sind Verschleißteile mit begrenzter Lebensdauer – nicht Bauteile fürs Leben.
  • Geräuschklasse I nach DIN 4109 bedeutet höchstens 20 dB(A), Klasse II höchstens 30 dB(A).
  • Ob eine Armatur reparierbar ist, hängt weniger vom Preis ab als davon, ob der Hersteller Ersatzteile führt.

Die Bauteile einer Armatur im Überblick

Eine Einhebel-Küchenarmatur besteht aus rund einem Dutzend Teilen, von denen die meisten nie jemand zu Gesicht bekommt. Diese Übersicht zeigt, was verbaut ist und was davon einzeln ersetzt werden kann.

Bauteil Aufgabe Typischer Werkstoff Einzeln tauschbar?
Gehäuse und Auslauf Tragende Struktur, Wasserführung Edelstahl, Messing, bleiarmes Messing Nein
Kartusche Steuert Menge und Mischverhältnis Kunststoffgehäuse, Keramikscheiben Ja, bei guten Armaturen
Hebel und Abdeckkappe Bedienung, Optik Metall oder Zinkdruckguss Meist ja
Strahlregler Strahlbild, Durchflussbegrenzung Kunststoff, Messing, Edelstahlsieb Ja, Normgewinde
Anschlussschläuche Verbindung zu den Eckventilen EPDM-Innenschlauch, Edelstahlumflechtung Ja
Dichtungen und O-Ringe Abdichtung an Übergängen EPDM, NBR Ja, als Set
Befestigungsset Fixierung auf der Spüle Edelstahl, Messing, Kunststoff Ja
Ausziehschlauch mit Gewicht Bewegliche Brause Kunststoff, textilummantelt Ja

Die Kartusche – das Herz der Armatur

Wie sie funktioniert

In der Kartusche sitzen zwei präzise geläppte Scheiben aus Hartkeramik, meist Aluminiumoxid. Die untere Scheibe steht fest und hat Öffnungen für Kalt- und Warmwasser, die obere bewegt sich mit dem Hebel darüber. Je nach Stellung geben die Öffnungen mehr oder weniger frei und mischen dabei. Die Scheiben sind so glatt, dass sie ohne zusätzliche Dichtung abdichten – man nennt das Anpressdichtung.

Keramik ist extrem hart und praktisch verschleißfrei. Was Kartuschen trotzdem altern lässt, sind Kalkpartikel und Sandkörner, die zwischen die Scheiben geraten, sowie die Fette, die für den leichten Lauf sorgen und mit den Jahren ausgewaschen werden.

Woran Sie eine defekte Kartusche erkennen

  • Der Hebel geht schwer oder ruckelt beim Schwenken.
  • Die Armatur tropft, obwohl der Hebel ganz unten steht.
  • Die Temperatur springt, obwohl der Hebel in derselben Stellung bleibt.
  • Es tropft aus dem Spalt unter der Abdeckkappe statt aus dem Auslauf.
  • Der Durchfluss ist deutlich schwächer geworden, während der Strahlregler sauber ist.

In fast allen diesen Fällen ist die Kartusche der Übeltäter – und der Tausch dauert zwanzig Minuten, wenn ein Ersatzteil verfügbar ist.

Was beim Ersatz zählt

Kartuschen sind nicht genormt. Verbreitet sind Durchmesser von 35 und 40 Millimetern, aber Höhe, Anschlussbild und Rastnasen unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Eine 35er-Kartusche aus dem Baumarkt passt deshalb nicht automatisch. Entscheidend ist die Ersatzteilnummer des Herstellers – und damit die Frage, ob der Hersteller überhaupt Ersatzteile führt und wie lange.

Die wichtigste Kaufentscheidung steht im Ersatzteilkatalog

Eine Armatur, für die es Kartusche, Strahlregler, Dichtungen und Schläuche einzeln gibt, lässt sich zwanzig Jahre betreiben. Eine ohne Ersatzteile ist beim ersten Tropfen ein Fall für den Sperrmüll – unabhängig davon, was sie gekostet hat.

Der Strahlregler – klein, wirksam, oft vergessen

Der Strahlregler, umgangssprachlich oft Perlator genannt, sitzt vorn im Auslauf. Er vereinheitlicht und verlangsamt den Wasserstrahl, mischt Luft bei und verhindert das Spritzen bei hohem Druck. Die Anforderungen an Durchfluss und Geräuschdämpfung regelt die Norm DIN EN 246.

Für den Durchfluss gibt es Klassen. Die Klasse A entspricht 0,25 Liter je Sekunde, also rund 15 Liter pro Minute; die wassersparende Klasse Z liegt bei 0,15 Liter je Sekunde, rund 9 Liter pro Minute. Sparstrahlregler für die Küche gehen bis auf etwa 5 bis 6 Liter pro Minute herunter, ohne dass der Strahl dünn wirkt – die Luftbeimischung macht den Unterschied.

Gewinde Bauart Typischer Einsatz
M22 × 1 Innengewinde, wird aufgeschraubt Der häufigste Fall bei Küchen- und Waschtischarmaturen
M24 × 1 Außengewinde, wird eingeschraubt Ebenfalls sehr verbreitet, oft bei größeren Ausläufen
M28 × 1 Außengewinde Badewannenausläufe
M18, M19, M21 Sondergrößen Designarmaturen, meist nur beim Hersteller erhältlich

Praktisch heißt das: Ein Ersatz-Strahlregler kostet wenige Euro und passt in den allermeisten Fällen, wenn Sie das Gewinde kennen. Schrauben Sie den alten ab und messen Sie nach oder nehmen Sie ihn zum Kauf mit.

Reinigen statt ersetzen

Ein schwacher oder ungleichmäßiger Strahl liegt fast immer am verkalkten Sieb. Strahlregler abschrauben, in Zitronensäure oder verdünnten Essig legen, mit klarem Wasser spülen und wieder einsetzen – die Reihenfolge der Einzelteile dabei fotografieren. Zwei Punkte sind wichtig: Bei gebürsteten Oberflächen nicht mit der Zange greifen, sondern mit einem Tuch unterlegen. Und salzsäurehaltige Entkalker gehören nicht an Edelstahl, weil sie Chloride enthalten. Warum, steht im Artikel Kann Edelstahl rosten?.

Die Anschlussschläuche

Zwischen Eckventil und Armatur sitzen zwei flexible Schläuche, meist mit 3/8-Zoll-Überwurfmutter unten und einem festen Gewindeanschluss oben. Innen liegt ein Schlauch aus EPDM, außen eine Umflechtung aus Edelstahldraht, die dem Druck standhält.

Wichtig zu wissen: Das sind Verschleißteile. Der Innenschlauch altert, wird spröde und kann nach vielen Jahren reißen – mit entsprechendem Wasserschaden, weil er unter Dauerdruck steht. Wer eine Armatur wechselt, tauscht die Schläuche deshalb gleich mit. Und wer die Eckventile ohnehin geschlossen hat, sollte einen Blick auf die Umflechtung werfen: Aufgerissene Drähte oder Rostpunkte sind ein Warnzeichen.

Bei Armaturen mit Ausziehbrause kommt ein dritter Schlauch dazu, der im Unterschrank mit einem Gegengewicht zurückgezogen wird. Er ist beweglich und damit stärker belastet als die festen Anschlussschläuche.

Was sonst noch drinsteckt

  • Schwenkbegrenzung. Ein kleiner Kunststoffring im Auslauffuß, der den Schwenkbereich auf 120 oder 180 Grad begrenzt. Lässt sich bei vielen Modellen umstecken.
  • Rückflussverhinderer. In Ausziehbrausen vorgeschrieben, damit kein Wasser aus dem Spülbecken zurückgesaugt werden kann.
  • Dichtungen und O-Ringe. Sitzen an jedem Übergang; wenn es am Auslauffuß tropft, ist meist ein O-Ring und nicht die Kartusche schuld.
  • Befestigungsset. Gewindestange, Gegenplatte und Mutter. Bei billigen Armaturen aus Zinkdruckguss – ein Bauteil, das man beim Tausch gern gleich mit erneuert.
  • Eckventile. Streng genommen Teil der Installation, nicht der Armatur. Sie gehören trotzdem geprüft: Ein Eckventil, das sich nicht mehr schließen lässt, macht jeden Kartuschentausch zur Großaktion.

Normen, an denen sich Qualität festmachen lässt

Anders als beim Werkstoff gibt es bei den Bauteilen einer Armatur handfeste Normen, auf die ein Datenblatt verweisen kann.

Norm Was sie regelt
DIN EN 200 Auslaufventile und Mischbatterien für Wasserversorgungssysteme Typ 1 und Typ 2
DIN EN 817 Mechanisch verstellbare Mischer – der Einhebelmischer in Küche und Bad
DIN EN 1111 Thermostatische Mischer
DIN EN 15091 Armaturen mit elektronisch gesteuertem Öffnen und Schließen
DIN EN 246 Allgemeine Anforderungen an Strahlregler
DIN 4109 Schallschutz: Geräuschklasse I bis 20 dB(A), Klasse II bis 30 dB(A)

Dazu kommt die DVGW-Zertifizierung, die Werkstoffe und Funktion gemeinsam prüft. Welche Werkstoffe dabei überhaupt zugelassen sind, steht im Überblick zu Armaturen-Werkstoffen.

Was sich reparieren lässt – und was nicht

Symptom Wahrscheinliche Ursache Aufwand
Tropft aus dem Auslauf Kartusche Ersatzteil plus zwanzig Minuten
Tropft am Auslauffuß O-Ring Wenige Euro, Dichtungsset
Schwacher oder schiefer Strahl Strahlregler verkalkt Entkalken oder neu kaufen
Hebel geht schwer Kartusche, Fett ausgewaschen Kartuschentausch
Feuchte Stelle im Unterschrank Anschlussschlauch oder Eckventil Sofort prüfen, Schläuche erneuern
Gehäuse undicht oder korrodiert Werkstoff oder Beschichtung Nicht reparabel, Armatur ersetzen

Die Regel dahinter ist einfach: Alles, was sich bewegt oder dichtet, ist ein Verschleißteil und damit tauschbar. Alles, was trägt und Wasser führt, ist es nicht. Wie Sie die Oberfläche dabei nicht beschädigen, steht im Artikel Edelstahl-Armatur reinigen und pflegen.

Häufige Fragen

Wie lange hält eine Kartusche?

Bei normaler Haushaltsnutzung sind acht bis fünfzehn Jahre realistisch. Hartes Wasser, Sand in der Leitung nach Bauarbeiten und häufiges Umschalten verkürzen die Lebensdauer. Ein schwergängiger Hebel ist meist das erste Anzeichen.

Passt jede 35-mm-Kartusche in jede Armatur?

Nein. Der Durchmesser ist nur eine von mehreren Abmessungen; Höhe, Anschlussbild und Verdrehsicherung unterscheiden sich je nach Hersteller. Bestellen Sie nach Ersatzteilnummer oder nehmen Sie die alte Kartusche mit.

Welches Gewinde hat mein Strahlregler?

Meist M22 Innengewinde oder M24 Außengewinde. Am einfachsten schrauben Sie den alten heraus und vergleichen ihn im Fachhandel. Für Badewannenausläufe ist M28 üblich, Sondergrößen wie M18 oder M21 gibt es vor allem bei Designarmaturen.

Wann sollte ich die Anschlussschläuche erneuern?

Spätestens beim Armaturentausch, außerdem bei sichtbaren Schäden an der Umflechtung oder wenn die Schläuche älter als etwa zehn Jahre sind. Sie stehen dauerhaft unter Druck – ein geplatzter Schlauch verursacht schnell einen erheblichen Wasserschaden.

Was bedeutet Geräuschklasse I bei einer Armatur?

Nach DIN 4109 gibt eine Armatur der Geräuschklasse I höchstens 20 dB(A) ab, Klasse II höchstens 30 dB(A). Klasse I ist in hellhörigen Gebäuden und bei Armaturen an Wänden zu Schlafräumen die sinnvollere Wahl.

Quellen

Stand: September 2026 · Autor: Manfred Hardt, die-edelstahl-armatur.com