Glossar: Fachbegriffe rund um Armaturen
AISI 304, Passivschicht, Kartusche, Strahlregler: Rund um Armaturen gibt es viele Fachbegriffe, die in Produktbeschreibungen selbstverständlich benutzt werden – und selten erklärt. Hier finden Sie die wichtigsten, alphabetisch geordnet und in wenigen Sätzen erklärt. Wo es mehr zu sagen gibt, verlinken wir den passenden Ratgeberartikel.
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Inhaltsverzeichnis
A
AISI 304
Bezeichnung für einen nichtrostenden Stahl mit etwa 18–20 % Chrom und 8–10,5 % Nickel, in Europa bekannt als V2A oder Werkstoffnummer 1.4301. Der am häufigsten verwendete Edelstahl, auch für Armaturen. Blei ist kein Legierungsbestandteil.
AISI 316
Nichtrostender Stahl mit etwa 16–18 % Chrom, 10–14 % Nickel und zusätzlich 2–3 % Molybdän, in Europa V4A oder 1.4401. Das Molybdän erhöht die Beständigkeit gegen Chloride, etwa in Küstennähe. Mehr dazu: [V2A oder V4A].
Ausladung
Das Maß, wie weit der Auslauf waagerecht über das Becken reicht. Ist die Ausladung zu klein, trifft der Strahl auf den Beckenrand statt in die Mitte. Mehr dazu: [Auslaufhöhe und Ausladung].
Auslaufhöhe
Der Abstand zwischen Beckenboden und Unterkante des Auslaufs. Je höher, desto größer die Töpfe, die darunter passen – zu hoch spritzt es bei flachen Becken.
Austenitischer Edelstahl
Gruppe nichtrostender Stähle mit hohem Nickelanteil, zu der AISI 304 und 316 gehören. Sie sind zäh, gut umformbar und im Ausgangszustand kaum magnetisch. Deshalb taugt ein Magnet auch nicht als Echtheitsnachweis.
B
Beschichtung, galvanische
Eine dünne Metallschicht, die elektrochemisch aufgebracht wird – bei Armaturen meist Nickel und darüber Chrom. Sie bestimmt das Aussehen, ist aber nur wenige tausendstel Millimeter dick und kann beschädigt werden.
Blei
Schwermetall, das klassischen Messinglegierungen zugesetzt wird, damit sie sich leichter zerspanen lassen. Im Trinkwasser ist Blei unerwünscht; der Grenzwert sinkt in Deutschland am 12. Januar 2028 von 10 auf 5 µg/l. In Edelstahl ist Blei kein Legierungsbestandteil.
C
CW617N
Kurzzeichen einer verbreiteten Messinglegierung (CuZn40Pb2) mit rund 2 % Blei. Nach der Bewertungsgrundlage des Umweltbundesamts darf sie ab dem 11. Januar 2028 nicht mehr in Produkten enthalten sein, die neu in Wasserversorgungsanlagen eingebaut werden.
D
Durchfluss
Wassermenge, die pro Minute aus der Armatur läuft, angegeben in Litern pro Minute (l/min). Ein begrenzter Durchfluss spart Wasser und Energie; zu wenig macht das Befüllen großer Töpfe mühsam.
E
Eckventil
Kleines Absperrventil zwischen Wandanschluss und Armaturenschlauch, meist unter der Spüle. Damit sperren Sie das Wasser ab, ohne die ganze Wohnung stillzulegen. Übliche Anschlussgröße: 3/8 Zoll.
Edelstahl-Optik
Beschreibt nur das Aussehen einer Oberfläche, nicht den Werkstoff. Darunter steckt meist Messing mit einer Beschichtung in Stahlfarbe. Ähnliche Begriffe: Edelstahl-Finish, Inox-Look, edelstahlfarben. Mehr dazu: [Edelstahl-Optik erkennen].
Einhebelmischer
Armatur, bei der ein einziger Hebel sowohl die Wassermenge als auch die Temperatur regelt. Im Inneren übernimmt das die Kartusche mit ihren Keramikscheiben.
Entzinkung
Korrosionsform bei Messing, bei der Zink aus der Legierung herausgelöst wird und das Material porös zurückbleibt. Entzinkungsbeständige Legierungen sind dagegen unempfindlich. Bei Edelstahl tritt das Phänomen nicht auf.
EU-Positivliste
Verzeichnis der Ausgangsstoffe, Zusammensetzungen und Bestandteile, die für Materialien im Kontakt mit Trinkwasser zugelassen sind. Sie gilt ab dem 31. Dezember 2026 EU-weit. Mehr dazu: [EU-Positivliste].
F
Flexschlauch
Biegsamer Anschlussschlauch zwischen Armatur und Eckventil. Er dichtet über eine flache Dichtung in der Überwurfmutter ab – Hanf oder Dichtband sind hier nicht nötig.
Flugrost
Auch Fremdrost genannt: Rostflecken auf einer Edelstahloberfläche, die nicht vom Edelstahl selbst stammen, sondern von fremden Eisenpartikeln – etwa von Stahlwolle oder einer Konservendose. Lässt sich meist rückstandslos entfernen.
G
Genuinox
Zeichen des Herstellers a2f für Armaturen, die laut Hersteller vollständig aus massivem Edelstahl AISI 304 oder 316 gefertigt sind – ohne Messing und ohne Nickel- oder Chromüberzug. Es ist ein Werkstoffversprechen des Herstellers, kein unabhängiges Prüfzeichen.
H
Hahnloch
Die Bohrung in Spüle oder Arbeitsplatte, durch die die Armatur geführt und befestigt wird. Üblich sind 35 mm Durchmesser.
Hochdruckarmatur
Standardbauform für Haushalte mit zentraler Warmwasserversorgung, Durchlauferhitzer oder geschlossenem Speicher. Sie hat zwei Anschlussschläuche. Gegenstück: die Niederdruckarmatur.
K
Kartusche
Das Innenleben eines Einhebelmischers: eine austauschbare Einheit mit zwei Keramikscheiben, die Menge und Temperatur steuert. Übliche Durchmesser sind 25 und 35 mm. Sie ist ein Verschleißteil – tropft die Armatur, ist meist sie die Ursache. Mehr dazu: [Kartusche wechseln].
Keramikscheiben
Zwei hochpräzise geschliffene Scheiben im Inneren der Kartusche. Sie gleiten aufeinander und geben je nach Hebelstellung unterschiedlich viel Kalt- und Warmwasser frei.
M
Messing
Legierung aus Kupfer und Zink, aus der die meisten Armaturenkörper bestehen. Gut zu gießen und zu bearbeiten, oft mit einem Bleianteil, meist verchromt. Mehr dazu: [Edelstahl oder Messing].
Migration
Der Übergang von Stoffen aus einem Werkstoff in das Wasser. Wie viel migriert, wird bei Trinkwasser-Werkstoffen unter festgelegten Bedingungen geprüft – das ist der eigentliche Maßstab, nicht die bloße Zusammensetzung.
Molybdän
Legierungsbestandteil von AISI 316 (V4A) mit 2–3 %. Er erhöht die Beständigkeit gegen Lochfraß, vor allem bei chloridhaltigem Wasser.
N
Nickel
Legierungsbestandteil nichtrostender Stähle und zugleich Bestandteil galvanischer Beschichtungen. Der Grenzwert im Trinkwasser liegt bei 20 µg/l. Bei verchromten Armaturen kann laut Umweltbundesamt nach langer Standzeit Nickel im ersten Glas Wasser erhöht sein.
Niederdruckarmatur
Bauform für offene, drucklose Untertischspeicher. Sie hat drei Anschlüsse: Kaltwasser sowie Zu- und Ablauf zum Boiler. An einem offenen Speicher darf keine Hochdruckarmatur betrieben werden.
P
Passivschicht
Hauchdünne Schicht aus Chromoxid, die sich auf nichtrostendem Stahl von selbst bildet und ihn vor Korrosion schützt. Sie erneuert sich an der Luft – deshalb braucht Edelstahl keine zusätzliche Beschichtung.
Perlator
Siehe Strahlregler. Der Begriff ist ursprünglich ein Markenname und wird umgangssprachlich für alle Strahlregler verwendet.
POM
Polyoxymethylen, ein fester, formstabiler Kunststoff. Bei Armaturen wird er unter anderem für ausziehbare Brauseköpfe eingesetzt, weil er leicht ist und gut in der Hand liegt.
PVD-Beschichtung
Physical Vapour Deposition: Verfahren, bei dem im Vakuum eine sehr dünne, harte Schicht aufgedampft wird, etwa aus Titan- oder Zirkoniumverbindungen. Sorgt für farbige, abriebfeste und UV-beständige Oberflächen wie Gun Metal.
S
Schwenkbereich
Der Winkel, um den sich der Auslauf zur Seite drehen lässt – wichtig bei Doppelbecken oder wenn neben der Spüle eine Abtropffläche liegt.
Stagnationswasser
Wasser, das längere Zeit unbewegt in Leitung und Armatur gestanden hat. Nach mehr als vier Stunden sollte es laut Umweltbundesamt nicht zum Trinken oder Kochen verwendet werden – erst laufen lassen, bis es spürbar kühler kommt.
Strahlregler
Das kleine Sieb vorn im Auslauf, das Luft in den Wasserstrahl mischt und ihn weich macht. Es verkalkt als Erstes und sollte alle drei bis sechs Monate abgeschraubt und entkalkt werden. Mehr dazu: [Edelstahl-Armatur reinigen].
T
Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
Deutsche Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch, in der aktuellen Fassung seit dem 24. Juni 2023 in Kraft. Sie legt unter anderem die Grenzwerte für Blei, Nickel, Kupfer und Chrom fest.
U
UBA-Bewertungsgrundlage
Regelwerk des Umweltbundesamts, das festlegt, welche Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser verwendet werden dürfen – getrennt nach Metallen, Kunststoffen, Zement sowie Emails und Keramik. Ab dem 31. Dezember 2026 wird es schrittweise durch die europäischen Regeln abgelöst.
V
V2A und V4A
Werkstattsprache für die gängigen nichtrostenden Stähle: V2A entspricht AISI 304, V4A entspricht AISI 316 mit Molybdän. Mehr dazu: [V2A oder V4A].
W
Werkstoffnummer
Europäische Kennzeichnung von Stählen, zum Beispiel 1.4301 für AISI 304 oder 1.4401 für AISI 316. Eine Armatur, deren Hersteller diese Nummer nennt, macht eine überprüfbare Angabe.
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Quellen
- Umweltbundesamt: Bewertungsgrundlage für metallene Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser (Stand 26.02.2026)
- Umweltbundesamt: Nickelabgabe von verchromten Trinkwasserarmaturen (Stand 23.01.2023)
- Umweltbundesamt: Ratgeber „Trink was – Trinkwasser aus dem Hahn“ (Stand 2020)
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV) vom 20.06.2023; Durchführungsbeschluss (EU) 2024/367
Stand: September 2026 · Autor: Manfred Hardt, die-edelstahl-armatur.com